20231229_schritt_f_Schritt_sz.png

    Sprache lernen mit Kleinkind: Schritt für Schritt zur gelebten Integration

    Vorbereitung auf den Kindergarten: Die Eltern-Kind-Sprach-Spielgruppen der Caritas erleben einen Boom. Was das Angebot kann.

    Gespannt sitzen die Kinder auf dem Teppichboden im Begegnungscafé in Laupheim, sie warten, bis der traditionelle Morgenkreis beginnt und sie endlich wieder ihre Lieblingslieder singen können. Gemeinsam mit ihren Eltern und Gruppenleiterin Jana Schuhmacher geht es an diesem Mittwochmorgen um Punkt 9.30 Uhr los. Alle waren aber schon früher da, weil sie es kaum erwarten konnten, sich wiederzusehen.

    In der Eltern-Kind-Sprach-Spielgruppe unter dem Titel „Schritt für Schritt, wir gehen mit - ein Familienbildungsprogramm“ haben sich Freundschaften entwickelt - unter den Kindern, aber auch unter den Mamas und Papas. Es ist ein Angebot der Caritas Biberach-Saulgau nach dem Modell „Griffbereit“, bei dem Integration und Sprachförderung im Mittelpunkt stehen.

    Menschen aus verschiedenen Kulturen, mit und ohne Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung treffen sich einmal wöchentlich mit ihren null- bis dreijährigen Kindern, tauschen sich aus und entdecken Gemeinsamkeiten. Die Gruppe wird von Jana Schuhmacher geleitet, sie ist gelernte Erzieherin und bei der Caritas in der Migrationsarbeit tätig.

    Bei uns sind alle Menschen willkommen, egal woher sie kommen und welchen Hintergrund sie mitbringen. Und das macht die Gruppe auch aus“, sagt die 31-Jährige. „Was wir hier erleben, ist gelebte Integration, immer mit dem Fokus auf Sprachförderung und frühzeitiger Bildung.“

    Wichtige Vorbereitung auf den Kindergarten

    Rima Alwakaa stammt ursprünglich aus Syrien, lebt seit drei Jahren in Laupheim und ist seit einem halben Jahr Teil der Gruppe. „Es ist sehr toll hier, ich bin gerne da und auch ich lerne hier ganz viel“, sagt die 41-jährige Mutter. Auch ihre kleine Tochter Maria ist hier angekommen, sie spielt mit den anderen Kindern und lernt neben ihrer Muttersprache Arabisch auch Deutsch. Das geht vor allem spielerisch, mit angeleiteten Angeboten, deutschen Liedern oder auch den beliebten Kniereitversen.

    Das Familienbildungsprogramm der Caritas ist eine wichtige Vorbereitung auf den Kindergarten und für alle Teilnehmenden kostenlos. Die Finanzierung muss jährlich beziehungsweise alle zwei Jahre gesichert werden, um das Angebot aufrechtzuerhalten. „Deshalb freuen wir uns sehr, Teil der Weihnachtsspendenaktion zu sein“, sagt Jana Schuhmacher. „Für die Spenden sind wir dankbar.“

    Auch für Mütter eine schöne Abwechslung

    „Ich freue mich, nun schon zum zweiten Mal Teil der Gruppe zu sein“, sagt Aksana Rempel. „Es macht so viel Spaß und die sozialen Kontakte zu den anderen sind mir sehr wichtig.“ Die 34-Jährige ist Laupheimerin, aber in Kasachstan geboren. Ihr kleiner Sohn Elias soll am liebsten zweisprachig aufwachsen, deutsch steht aber im Fokus.

    Auch Annette Gashi aus Baltringen tut die Gruppe sehr gut: „Es ist auch für mich als Mutter eine schöne Abwechslung von zu Hause. Und dem Kleinen tut es auch sehr gut, hier mit anderen Kindern in Kontakt zu kommen.“ Denn die sozialen Kontakte zu anderen Kindern seien sehr wichtig für die Entwicklung. Das ist auch der Grund, warum Dilek und Gökcan Sucakli mit ihrem eineinhalbjährigen Sohn Miran immer wieder gerne kommen, vor allem auch für die Sprachförderung.

    Vier Gruppen in Laupheim, eine in Biberach
    Insgesamt gibt es im Landkreis Biberach fünf Gruppen, vier in Laupheim und eine in Biberach. Bei der Caritas gehen mehr Anmeldungen ein, als es Plätze gibt. „Wir versuchen, alle Familien aufzunehmen, die Interesse haben, leider ist das nicht immer möglich“, sagt Jana Schuhmacher. Denn die Teilnehmerzahl ist auf zehn Kinder begrenzt. „Wenn die Gruppe zu groß ist, wird es schwer, individuell auf die Interessen und den Entwicklungsstand der Kinder einzugehen“, so die Gruppenleiterin.

    Gemeinsam mit ihrer Kollegin Tülay Tekeli leitet Jana Schuhmacher die vier Gruppen in Laupheim. Das Angebot gibt es bei der Caritas bereits seit mehr als 15 Jahren, es ist ein Erfolgsmodell, das Menschen zusammenbringt und die Kinder auf ihr künftiges Leben vorbereitet. Dabei geht es auch um Teilhabe und gleichberechtigte Bildungschancen. Unterstützt werden die Gruppenleitungen von Elternbegleiterinnen. Regina Reich ist bereits mit ihrem dritten Kind Teil der Gruppe und hilft gerne mit: „Das Angebot ist sehr bereichernd für uns alle. Zum einen entstehen hier enge Freundschaften und zum anderen tut das den Kindern sehr gut.“

    84 Kinder nehmen 2023 am Programm teil

    Bei der Umsetzung der Gruppenstunden orientieren sie die Leiterinnen an den Bildungsansätzen des Sprach- und Familienbildungsprogramms „Griffbereit“ sowie an den individuellen Interessen, der Gruppenzusammensetzung und dem Entwicklungsstand der Kinder. Das Programm greift noch vor der Kita. Außerdem erleben die Kinder spielerisch und in Begleitung der Eltern die deutsche Sprache sowie die Stärkung der Mehrsprachigkeit. Weitere Bildungsmöglichkeiten und Institutionen werden den Eltern vorgestellt. Schritt für Schritt werden so die Familien auch an das Bildungssystem herangeführt. Bei Bedarf erhalten die Familien zusätzliche Anregungen, wie sie ihre Kinder auch zu Hause in der Gesamtentwicklung unterstützen können.

    Im Jahr 2023 wurden insgesamt 75 Familien mit 84 Kindern im Alter von null bis drei Jahren erreicht. Familien aus 16 Herkunftsländern haben an den Eltern-Kind-Sprach-Spielgruppen teilgenommen, so beispielsweise aus Deutschland, der Türkei, aus Russland, der Ukraine, aus Syrien, Albanien und aus Indien. „Diese Mischung macht es aus, hier wird auch in unterschiedlichen Sprachen gesprochen, auch das fördert die Entwicklung der Kinder“, sagt Jana Schuhmacher. „Deutsch steht aber natürlich im Fokus, denn Sprache ist immer noch der wichtigste Schlüssel zur Integration.“

    Weitere Informationen und eine Anmeldemöglichkeit gibt es per Mail an schuhmacher.j(at)caritas-biberach-saulgau.de oder unter der Telefonnummer 0174/7439773.

    Text und Foto: Tanja Bosch

    Originalbericht Schwäbische Zeitung